Christliche Gedichte (z.B. Ostergedichte, Familiengedichte) und Lieder

christliche-gedichte.de - 19.05.2024
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Herzog unsrer Seligkeiten

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1. Herzog unsrer Seligkeiten,
zeuch uns in dein Heiligtum,
da du uns die Statt bereiten
und du deines Namens Ruhm
als deinen Erlösten siegprächtig willst führen.
Lass unsere Bitte dein Herze jetzt rühren!
Wir wollen dem Vater zum Opfer dastehn
und mit dir durch Leiden zur Herrlichkeit gehen.

2. Er hat uns zu dir gezogen
und du wieder zu ihm hin;
Liebe hat uns überwogen,
dass an dir hängt Mut und Sinn.
Nun wollen wir gerne mit dir auch absterben
dem ganz natürlichen Seelenverderben.
Ach lass in dein Sterben versetzet uns sein,
sonst dringen wir nimmer ins Leben hinein!

3. Aber hier erdenkt die Schlange
soviel Ausflucht überall;
bald macht sie dem Willen bange,
bald treibt sie die Lust zum Fall.
Es bleibet das Leben am Kleinsten oft kleben
und will sich nicht völlig zum Sterben hingeben;
es schützet die besten Absichten noch vor
und bauet so Höhen und Festung empor.

4. Drum, o Fürst des Lebens,
eile, führ das Todesurteil aus,
brich entzwei des Mörders Pfeile,
wirf den Satan ganz hinaus!
Ach lass sich dein neues, erstandenes Leben
in unsern erstorbenen Herzen erheben;
erzeig dich verkläret und herrlich noch hier
und bringe dein neues Geschöpfe herfür!

5. Kehre die zerstreuten Sinnen
aus der Vielheit in das Ein,
dass sie neuen Raum gewinnen,
nur von dir erfüllt zu sein.
Ach wirf du die Mächte der Finsternis nieder,
erneure die Kräfte des Geistes uns wieder,
dass er von der Kraft der Verklärung sich nähr
und gegen der Gottheit Verächter sich wehr!

6. Lebe denn und lieb und labe
in der neuen Kreatur,
Lebensfürst, durch deine Gabe
die genesene Natur!
Erwecke dein Eden uns wieder im Grunde
der Seelen und bringe noch näher die Stunde,
da du dich in all deinen Gliedern verklärst,
schon hier ihnen ewiges Leben gewährst.

7. Gönne uns noch Frist auf Erden,
Zeugen deiner Kraft zu sein,
deinem Bilde gleich zu werden,
in den Tod zu nehmen ein
des Lebens vollkommene Freiheit und Rechte
als eines vollendeten Heilands Geschlechte.
Der Unglaub mag denken, wir bitten zuviel:
Du hörst unsre Bitten, tust über ihr Ziel.


(Lied, Autor: Gottfried Arnold (1666 - 1714))