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christliche-gedichte.de - 23.02.2019
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ERFAHRUNG MIT (SCH)WEINEN

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Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne....

Lukas 15,11-32 (Luther 1912)


Es war auf einer großen Farm,
der Gutsbesitzer war nicht arm.
Er hatte Weiden, hatte Felder,
Plantagen, Äcker, Wiesen, Wälder;
auch Knechte, Mägde, Tagelöhner,
das Leben wurde immer schöner.
Nicht zu vergessen auch die Tiere,
die Ziegen, Hühner, Schafe, Stiere.
So mancher wurd' vor Neid ganz bleich -
mit andren Worten: Er war reich.

Doch mehr als allem Neuen, Schönen,
galt seine Liebe seinen Söhnen.
Der Ältere sehr fleißig war
und arbeitete Jahr für Jahr;
der Jüng're war darauf bedacht,
zu seh'n wo Arbeit wird gemacht,
doch ging's ihm weniger um's Sehen,
vielmehr, ihr aus dem Weg zu gehen.

Und eines Tages sagt er dreist:
''Mein Vater, hör, wie du ja weißt,
gehört von all den Dingen hier,
wenn du mal stirbst, die Hälfte mir.
Gib mir's doch gleich, dann kann ich geh'n,
ich möchte mal was andres seh'n.''
Der Vater hört es voller Graus,
doch zahlt er ihm das Erbe aus.

Mit seinem Anteil in der Hand,
zieht er hinaus in fremdes Land.
Bei soviel Geld braucht er nicht sparen -
sich Freunde plötzlich um ihn scharen.
Es wird verschwendet, wird geprasst,
gezecht, gefeiert ohne Rast.
So lebt er glücklich lange Zeit,
bis eines Tages ist's soweit;
das Geld ist aus, er sitzt im Dreck -
natürlich sind die Freunde weg;
mit keinem Pfennig in der Hand,
allein in einem fremden Land.
Er hat kein Essen, hat kein Brot,
zudem herrscht auch noch Hungersnot.

Zum ersten mal nach langer Zeit,
wär' er zur Arbeit jetzt bereit.
Gesagt ist's leichter als getan,
vergeblich scheint sein neuer Plan,
denn auch die Arbeitslosigkeit,
macht sich im ganzen Lande breit.

Erbarmen hat dann doch ein Mann,
stellt ihn als Schweinehirten an.
Er ließ die Sau raus stets beim Weine,
jetzt kann er's tun im Kreis der Schweine.
Wie gerne würd' er von dem essen,
was man den Schweinen gibt zu fressen -
man selbst den Saufraß ihm verweigert,
die Ausweglosigkeit sich steigert.
In der Verzweiflung möcht' er schrei'n,
da fällt's ihm plötzlich wieder ein,
dass er hat einen Vater doch,
mit Tagelöhnern noch und noch,
die ständig sich den Bauch voll schlagen,
und er sitzt hier mit leerem Magen.

Man könnte ja mal dorthin gehen,
um sich nach Arbeit umzusehen,
so ganz normal, nicht als sein Sohn,
als Arbeiter im Tageslohn.
Er hat sein Leben glatt versaut -
gesteht sich, dass er Mist gebaut.
Sich selbst gestehen ist nicht schlecht,
doch macht es Unrecht noch nicht recht.
Dem Vater muss er es gestehen,
ihm dabei in die Augen sehen.

Er macht sich schließlich auf die Reise,
denn Umkehr ist die rechte Weise,
das anzugehen, was verpfuscht,
was man am liebsten doch vertuscht.

Indessen hält sehr lange schon,
der Vater Ausschau nach dem Sohn.
Er hätte ihn auch suchen können,
sich einen kleinen Ausflug gönnen,
ihn aus dem Elend aufzulesen -
vergebens wär's jedoch gewesen.
Es lässt sich nämlich nicht vermeiden,
sich selbst zur Buße zu entscheiden,
und diese kann erst dann geschehen,
wenn man sein Unrecht eingesehen.
So wartet täglich er darauf,
und gibt die Hoffnung niemals auf.

Wie er mal wieder Ausschau hält,
ihm etwas in das Auge fällt.
Ist das am Horizont nicht der,
um den er war besorgt so sehr?
Voll Mitleid läuft er ihm entgegen,
ihn zu empfangen hier mit Segen.
Und sie umarmen sich auch schon,
dann, unter Tränen, spricht der Sohn:
''Gesündigt hab' ich gegen dich,
auch gegen Gott, gestehe ich.
Ich bin nicht wert, dein Sohn zu sein,
stell mich als Hilfsarbeiter ein.''
Der Vater bittet, dass man bring'
ihm Kleider, Schuh und Siegelring,
und dass man gleich das Mastkalb schlacht',
jetzt wird gefeiert, dass es kracht.

Heim kommt der ält're Bruder nun,
vom Feld wo immer viel zu tun.
Von weitem schallt des Festes Klang,
mit Essen, Trinken und Gesang.
Als er von einem Knecht erfährt,
was man dem Bruder hat gewährt,
ist er empört - will nicht ins Haus -
der Vater kommt zu ihm heraus.

''Mein Sohn, was ist der Grund der Trauer?''
Der faucht nur: ''Ich bin stinke-sauer!
Gedient hab' ich dir Jahr für Jahr,
tagaus, tagein ich willig war
zu tun‚ was immer du begehrt -
hab' mich darüber nie beschwert.
Nicht mal ein Böcklein gabst du mir,
zu feiern mit den Freunden hier.
Und dieser, dein missrat'ner Sohn,
trägt einfach so dein Geld davon,
um es dann auf den Kopf zu hauen,
mit Trinkern, Spielern, losen Frauen -
sein Geld und Leben er verschwendet,
und im Bankrott die Sache endet -
kommt schließlich heim mit dem Verlangen,
nun wieder neu hier anzufangen;
und denkt, mit einem bisschen Weinen
sei alles wieder schön im Reinen.''

Der Vater voll Verständnis spricht:
''Mein Sohn, verstehst du es denn nicht,
du hast den bess'ren Teil erwählt,
du bist bei mir, wo nichts dir fehlt.
Du hast Gemeinschaft stets mit mir,
und mein Besitz gehört auch dir.
Was meinst du wohl, was er würd' geben,
zu tauschen jetzt mit deinem Leben?
Er war schon tot - erst gestern noch,
jetzt lebt er wieder - freu dich doch!''


(Gedicht, Autor: Hans Elwert, 2003)


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