Christliche Gedichte (z.B. Ostergedichte, Familiengedichte) und Lieder

christliche-gedichte.de - 30.03.2020
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Ich will dich immer treuer lieben

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1. Ich will dich immer treuer lieben,
mein Heiland, gib mir Kraft dazu.
Die Welt hat mich lang umgetrieben,
nun schenkst du mir die wahre Ruh,
die Ruh, mit der nichts zu vergleichen,
der alle Königskronen weichen,
die uns den Himmel offen zeigt.
Ach daß ich ganz in Lieb zerflösse
vor deiner Liebe Wundergröße,
die alles Wissen übersteigt.

2. Wie freundlich hast du mich gezogen,
wie ging mir dein Erbarmen nach!
Ich floh dich, der du mich bewogen,
und rang nach Tod und Ungemach;
du aber nahmst ohn mein Verlangen
in deiner Liebe mich gefangen
und offenbarest dich mir.
Nimm, Seelenfreund, für diese Treue
mein ganzes Herz, das ich dir weihe,
entreiß mir´s doch und nimm es dir.

3. O lehre mich, mich ganz vergessen,
damit ich nur an dich gedenk;
lehr mich nach dir nur alles messen,
damit ich mich ganz in dich senk.
Ich wünsch in mir ganz zu verschwinden,
um dich vollkommener zu finden,
du süße Lieb und höchstes Gut.
Werd ich mich selber recht verlieren,
so wirst du Kräfte in mich führen,
daß ich dich lieb mit reiner Glut.

4. Ich hange nicht an deinen Gaben,
dich, Jesu, such ich ganz allein.
Soll ich nichts zu genießen haben,
ich will auch so zufrieden sein.
Vertausch den Trieb nach eiteln Freuden
mit der Bereitschaft, still zu leiden,
und mach in allem mich getreu.
Nimm hin mein Wollen, Denken, Richten,
mein eigen Laufen, Wirken, Dichten,
daß nichts denn du mehr übrig sei.

5. Mir ist am seligsten geraten,
wenn ich aus eigner Wahl nichts tu.
Ein andrer sinn auf große Taten,
mein Geist erblicket eine Ruh,
worin er leidend das vollführet,
was von des Geistes Trieben rühret;
und das heißt recht in Gott getan.
O mische sich doch in mein Lieben
nicht mehr von meinen eignen Trieben,
so fing ich recht zu lieben an.

6. Getreuer Jesu, soll ich hoffen,
daß meine Liebe treuer werd?
Ach ja, dein Herze steht noch offen dem,
welcher ernstlich Hilf begehrt.
Ich flieh zum Reichtum deiner Güte;
daß ich, was du nicht selber bist,
erkenn und haß und dämpf und töte;
so schau ich nach der Morgenröte,
wie hell die Sonne selber ist.


(Lied, Autor: Johann Adam Flessa (1694 - 1776)