Christliche Gedichte (z.B. Ostergedichte, Familiengedichte) und Lieder

christliche-gedichte.de - 09.07.2020
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Ich bin ja, Herr, in deiner Macht

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1. Ich bin ja, Herr, in deiner Macht,
du hast mich an dies Licht gebracht,
du unterhältst mir auch das Leben;
du kennest meiner Monden Zahl,
weißt, wann ich diesem Jammertal
auch wieder gute Nacht muß geben;
wo, wie und wann ich sterben soll,
das weißt du, Vater, mehr als wohl.

2. Wen hab ich nun, als dich allein,
der mir in meiner letzten Pein
mit Trost und Rat weiß beizuspringen?
Wer nimmt sich meiner Seele an,
wenn nun mein Leben nichts mehr kann,
und ich muß mit dem Tode ringen,
wenn aller Sinne Kraft gebricht?
Tust du es, Gott mein Heiland, nicht?

3. Mich dünkt, da lieg ich schon vor mir
in großer Hitz, ohn Kraft, ohn Zier,
mit höchster Herzensangst befallen,
Gehör und Rede nehmen ab,
die Augen werden mir ein Grab,
doch kränkt die Sünde mich vor allen,
des Satans Anglag hat nicht Ruh,
setzt mir auch mit Versuchung zu.

4. Ich höre der Posaunen Ton
und seh auch den Gerichtstag schon,
der mir auch wird ein Urteil fällen.
Hier weiset mein Gewissensbuch,
da aber des Gesetzes Fluch
mich Sündenkind hinab zur Höllen.
Wer hilft mir nun in dieser Not,
wo du nicht, Gott, du Todes Tod?

5. Der Teufel hat nicht Macht an mir,
ich habe bloß gesündigt dir,
dir, der du Missetat vergibest.
Was maßt sich Satan dessen an,
der kein Gesetz mir geben kann,
nichts hat an dem, was du Herr, liebest?
Er nehme das, was sein ist, hin,
ich weiß, daß ich des Herren bin.

6. Herr Jesu, ich dein teures Gut,
bezeugs mit deinem eignen Blut,
daß ich der Sünde nicht gehöre.
Was schont denn Satan meiner nicht
und schreckt mich durch das Zorngericht?
Komm, rette deines Leidens Ehre!
Was gibest du mich fremder Hand
und hast so viel an mich gewandt?

7. Nein, nein, ich weiß gewiß?
mein Heil, du lässest mich, dein wahres Teil,
zu tief in deinen Wunden sitzen.
Hie lach in aller Macht und Not,
es mag Gesetz, Höll oder Tod
auf mich her donnern oder blitzen.
Dieweil ich lebte, war ich dein,
jetzt kann ich keines Fremden sein.


(Lied, Autor: Simon Dach (1605 - 1659))