Christliche Gedichte (z.B. Ostergedichte, Familiengedichte) und Lieder

christliche-gedichte.de - 21.10.2019
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Wie wird uns sein

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Sondern wie geschrieben steht: "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben."

1. Kor. 2,9 (Luther 1912)


1. Wie wird uns sein, wenn endlich nach dem schweren,
doch nach dem letzen ausgekämpften Streit
wir aus der Fremde in die Heimat kehren
und einzieh´n in das Tor der Ewigkeit!
Wenn wir den letzen Staub von unsern Füßen,
den letzen Schweiß vom Angesicht gewischt
und in der Nähe sehen und begrüßen,
was oft den Mut im Pilgertal erfrischt!

2. Wie wird uns sein, wenn wir vom hellen Strahle
des ew´gen Lichtes übergossen stehn
und – o, der Wonne! – dann zum ersten Male
uns frei und rein von aller Sünde seh´n;
Wenn wir, durch keinen Makel ausgeschlossen
und nicht zurückgescheucht von Schuld und Pein,
als Himmelsbürger, Gottes Hausgenossen,
eintreten dürfen in der Sel´gen Reih´n!

3. Wie wird uns sein, wenn wir mit Beben lauschen
dem höhern Chor, der uns entgegentönt,
wenn goldne Harfen durch die Himmel rauschen
das Lob des Lammes, das die Welt versöhnt!
Wenn weit und breit die heil´ge Gottesstätte
vom Halleluja der Erlösten hallt
und dort der heil´ge Weihrauch der Gebete
empor zum Thron des Allerhöchsten wallt!

4. Wie wird uns sein, wenn nun dem Liebeszuge
zu Dem, der uns den Himmel aufgetan,
mit ungehaltnem, sehnsuchtsvollem Fluge
die frei geword´ne Seele folgen kann!
Wenn nun vom Aug´ des Glaubens lichte Hülle
wie Nebel vor der Morgensonne fällt
und wir den Sohn in seiner Gottesfülle
erblicken auf dem Thron als Herrn der Welt!

5. Wie wird uns sein, wenn wir Ihn hören rufen:
„Kommt, ihr Gesegneten!“ wenn wir, im Licht
dastehend an des Gottesthrones Stufen,
Ihm schauen in sein gnädig Angesicht,
die Augen seh´n, die einst von Tränen flossen
um Menschennot und Herzenshärtigkeit –
die Wunden, die das teure Blut vergossen,
das uns vom ew´gen Tode hat befreit!

6. Wie wird uns sein?
O, was kein Aug´ gesehen,
kein Ohr gehört, kein Menschensinn empfand,
das wird uns werden, wird an uns geschehen,
wenn wir hineinzieh´n ins gelobte Land.
Wohlan, den steilen Pfad hinangeklommen!
Es ist der Mühe und des Schweißes wert,
dahin zu eilen und dort anzukommen,
wo mehr, als wir versteh´n, der Herr beschert.


(Lied, Autor: Karl Johann Philipp Spitta (1801 - 1859))